ich bin ein AndroGyner Mensch
und habe seit eh und je zu wenig
Testosteron aber auch
nicht genug Östradiol

Eine Kurzfassung
wichtig zum Verstehen:

1) Frau und Mann transportieren in ihrem Blut neben vielen anderen Hormonen Östrogen und Testosteron. Zu den Hormonen zählt neben vielen anderen auch das Insulin der Bauchspeicheldrüse.
Hormone sind als solche nicht typisch Frau oder typisch Mann.

2) Erst die verschiedenen Mengen all dieser vielen Stoffe lassen eine gewisse Präferenz für einen Menschen erkennen.

3) Irgendwann meinten oberschlaue Menschen feststellen zu müssen, dass eine gewisse Menge von Östrogenen zeigen, das ist Frau und beim Testosteron, das ist keine Frau. - Wichtig! Ich schreibe absichtlich nicht, dass es dann Mann sei.

4) Ich gehe davon aus, dass Du weißt, wir Menschen entwickeln uns vor der Geburt erst als weibliches Wesen und irgendetwas (bislang noch nicht wirklich erklärbar) schaltet dann auf das Programm „Mann“ um.

5) Dann ist auch wichtig zu wissen, dass das Programm erst richtig in Fahrt kommt, wenn die Pubertät beim Jungen (beim jungen Menschen) einsetzt. Die Neurologen können das sogar bildhaft vorstellen. Die hormonelle Verstärkung des Testosteron erzeugt im Kopf eines Jungen ein gut sichtbar zu machendes Gewitter. Ich habe dazu einmal gesagt „der Körper baut sich um“. Bei nicht wenigen Jungen spielt sich das sogar im Bereich der Brüste ab, es bilden sich tatsächlich kleine bis gut sichtbare feminine Brust-Auswölbungen.

6) Hier beginnt leider schon ein erstes Unheil, wenn die überängstlichen Eltern, dann mit dem Jungen zum Arzt rennen und der im vollen Übereifer nur „herum-doktort“, die Chemiekeule wird eingesetzt, statt nach den Auslösern zu suchen, werden Symptome behandelt. Als Auslöser kommen neben der persönlichen Grundausstattung, sogar krankhafte Veränderungen im Körper (bis zu einer bestimmten Tumorart im Kopf) infrage. Aber Du wirst lange suchen müssen, jemanden zu finden, bei dem so aufmerksam in der Jugend untersucht wurde. Die schnellste Untersuchung wäre tatsächlich ein großes endokriniologisches Blutbild.

7) Beim Jungen steigt die Produktion des Testosterons nun (hoffentlich) langsam aber beständig an und erreicht etwa um das 30te Lebensjahr seinen Höchstpunkt.

8) Ab etwa dem 30ten Lebensjahr ist der Mensch ausgewachsen. Dann gibt es ein kleines Plateau der Ruhe. Sämtliche Körperzellen regenerieren sich kontinuierlich, die Menschen in diesem Alter sind überwiegend fit und ausgeglichen, die Haut ist glatt…

9) Beim Mann beginnt ganz langsam und eher nicht merklich ein Absinken der Testosteron-Produktion; je nach Ausgangslage des höchsten Punktes zieht sich dieser Prozess kontinuierlich bis zum 60/70ten Lebensjahr hin; vorausgesetzt es ergeben sich keine organischen Erkrankungen.
Und schon kommt es bei nicht wenigen älteren Männern wieder zum Brustwachstum (dabei muss man die Auswirkungen des Fettleibigkeit allerdings ausblenden!), Der Körper schaltet behutsam in das Programm Frau zurück.

10) und noch noch mal zum Punkt 6) zurück geblickt. Ich weiß heute – seit 1994 – was ein Arzt schon 1957/1959/1961 hätte wissen können. In den genannten Jahren wurde ich zur Kur geschickt: die beiden ersten Mal nach Langeoog um dort endlich zuzunehmen und dann 1961 nach Bad Dürrheim (wie sinnig) zum Abnehmen. Allein dieses Chaos hätte beim Blick in die Akten des Schularztes erkennen lassen müssen, dass hier nach einer Ursache zu suchen ist. Mit meinen Eltern lag ich im Sommer im Clinch, weil ich bei der schönen Sonne nicht nach draußen wollte, ich mochte das heftige Schwitzen nicht, dass nach kurzer Zeit auftrat und mir viel Kraft abverlangte. „Du spinnst wohl!“ war dann noch eine freundliche Reaktion.
Selbst heute noch gehört auch im herrlichsten Winter das Schwitzen dazu, wenn ich mich in der Sonne aufhalte.

Wenige Jahre später im Studium musste ich erkennen, dass ich mit Alkohol nichts anfangen konnte, mir wurde schon nach einer Flasche Pils übel, kein Rausch oder sowas, der Magen rebellierte; ich entdeckte als minimalen Ersatz für „mal was anderes als immer nur süßes Wasser“ den Wein. Bei einer Fahrt an die Mosel, um direkt beim Winzer einzukaufen, kam ich ich gar nicht bis zum dritten Schluck und wieder ging alles rückwärts. Damals formulierte ich es als Alkohol-Allergie.

Also nur noch nippen und sich mit den anderen an deren Genuss erfreuen. Einen Rausch kenne ich bis heute nicht! (Vielleicht ist das gar auch keine Bildungslücke).

11) 1994 (im Alter von 44Jahre) bei einem Urlaub an der Ostsee im Spätsommer, so ähnlich wie zur Zeit, viel Nass, wenig Sonne, stehe ich auf einmal unter Wasser, schwitze aus vollen Kübeln. - Wieder daheim habe ich Ende Oktober einen beruflichen Frühtermin in einem wirklich kühlen, nicht beheizten Raum. Nach wenigen Minuten bin ich klitsche-nass von den Haaren bis über den gesamten Oberkörper.

12) Auf zum Hausarzt; der kann beim Blutdruck usw. nichts erkennen, nimmt gelangweilt Blut ab und fragt mich nach wenigen Tagen „Sind Sie Alkoholiker!“ - nein, ich habe eine Allergie gegen Alkohohl - „sowas gibt es nicht!“ - aber immerhin eine gute Idee hat er und überweist mich in die sogenannte „Lebersprechstunde“ der Uniklinik, an zwei Tagen werde ich dort durchgescheckt.

13) das Ergebnis: Meine Leber arbeitet ungeschädigt nur sehr träge und baut darum auch nur ganz wenige Stoffe ab, was zur Folge hat, dass der Körper mir überflüssigen Giften zu lange arbeiten muss (Alkohol, Fette, gewisse Enzyme usw.)  - der dortige Arzt empfiehlt mir eine ausführliche Patienten-Information. Und ich lerne: keine Krankheit, sondern ich muss akzeptieren, dass die Leber viel Zeit und weniger Masse braucht um zufrieden zu sein. Sie ist es aber auch, die in allem sau-langsam reagiert, auch im Produzieren von Vorprodukten für die gesamte Körpersteuerung.

Zum Beispiel: Es ist zu warm für den Körper, dann will der Körper gekühlt werden, er sondert Feuchtigkeit ab (Schweiß), bei mir passiert das erst, wenn ich längst wieder im kühlen Raum bin, und dann wird gleich volles Rohr übertrieben.

14) Die Leber (Leber = Leben = das Lebensorgan) ist aber auch zuständig für die Vorprodukte, die für die Sexualhormone benötigt werden. Und wenn die keinen richtigen Schwung bekommen, dann bleibt das Programm „Frau“ auch nach der Pubertät in nächster Sichtweite vorhanden, der Testosteronspiegel steigt nur schwach an und mit etwa dem 30ten Lebensjahr geht es dann trotzdem abwärts.

15) 1980 (ich kann sogar den Tag noch genau bestimmen) bin ich nach einem Wohnungswechsel zu einer AllGem.Ärztin um abklären zu lassen, warum ich auf der Brust Berührungsschmerzen habe. Keine Untersuchung, nix weiter, sie hatte hellseherische Augen: "das kommt vom Kisten-Tragen beim Umzug"  - einige Jahre später (1989), diese Schmerzen treten weiterhin periodisch  auf, ein anderer Arzt: ich erzähle von den Schmerzwahrnehmungen und ergänze, dass ich de Eindruck habe, mein Körper baue sich um; Seine Diagnose lautete: „Damit kann ich nichts anfangen!“ sonst nichts!

16) Ich bin früher kein Junge gewesen und wollte auch kein Mädchen sein, ich bin keine Frau und will es auch nicht sein, und mit der Rolle „Mann“ kann ich auch eher nichts anfangen, da ist  mir vieles unverständlich und ärgerlich abstoßend. - Ich bin ich, das passt am allerbesten.

17) Meine Geschichte ist viel länger und ausführlich und ich habe sie auch schon aufgeschrieben. Da wird dann auch deutlicher, dass mein Identitätkonflikt nie ein Trans*-Weg war, sondern ich hatte das Glück, dass ich mich schon viel zu früh (erst nur innerlich!) von meinen Eltern entfernte und mich behaupten musste, gegen sie. Das ist ein gutes Training gewesen.

Die Versuche, gegen das Schweben im Raum vielleicht doch der Rolle „Mann“ gerecht zu werden, liefen ins Leere, und ich hörte immer öfter Sätze mit der Ergänzung „wie eine Frau“, veröffentlichte Texte, Bilder, die Argumentation,… wie eine Frau. Aber ich bin keine Frau!

Und irgendwann sagte dann eine sehr gute Bekannte, „zieh das hier doch mal an, müsste Dir passen!“ passte, sah gut aus, und passte zu mir, eine Bluse, dann auch ein Pullover; keiner störte sich daran, selbst Kollegen wollten wissen, wo man so etwas kaufe könnte…

18) Und nicht zu vergessen, meine Arbeit geschah in der Öffentlichkeit, ich hatte Medienkontakt und keiner störte sich an mir. Eher das Gegenteil schaffte sich Raum, ich wurde mehr und mehr ich und damit eben auch freier und ich musste anfangen aufzupassen. Noch heute, „rennen die Menschen“ hinter mir her, dass ich ihnen bei diesem und jenem helfe, unbedingt der Feier komme und auch etwas sage. Und 2015 wurde ich gebeten bei einer größeren Konferenz etwas zur Geschlechter-Identität aus meinem Blickwinkel zu sagen.

Ich war nie ein anderer Mensch und ich musste mich auch nicht verändern, sondern nur die doofen Versuche sein lassen, Mann spielen zu wollen, dabei kam nichts vernünftiges heraus.

REICHT DAS?

   


 

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